Volles Haus, klare Kritik: Vermieter fordern Verlässlichkeit von der Politik
Jahreshauptversammlung 2026
Wachsender Beratungsbedarf und deutliche Kritik an Bürokratie, Mietpreisbremse und Straßenausbaubeiträgen – bei der gut besuchten Mitgliederversammlung von Haus & Grund Worms-Alzey gab es viele Themen zu besprechen. Erfreulich: Die Mitgliederzahl steigt kräftig weiter.
Volles Haus: Hans-Joachim Lock, Vorsitzender von Haus & Grund Worms-Alzey, bei seinem Bericht im Rahmen der Jahreshauptversammlung im „Wormser“. - Fotos: Haus & Grund
So voll war es lange nicht: Rund 150 Mitglieder kamen zur Jahreshauptversammlung von Haus & Grund Worms-Alzey in den Liebfrauensaal im „Wormser“. Im hinteren Bereich mussten zusätzliche Stuhlreihen aufgestellt werden – mit klassischen Tischreihen hätte der Platz nicht gereicht. „Die Hütte ist voll“, freute sich der Vorsitzende Hans-Joachim Lock, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht. „Wenn das so weitergeht, müssen wir bald in den Mozartsaal umziehen.“ Das wachsende Interesse zeigt sich auch in den Zahlen: Zum Jahresende 2025 zählte der Verein 3.094 Mitglieder – über 70 mehr im Vergleich zum Vorjahr.
Zunehmende Konflikte: „Wir leben in einer Streitkultur“
In seinem Bericht zeichnete Lock ein deutliches Bild: „Wir leben in einer Streitkultur“, sagte er – auch mit Blick auf die steigende Zahl an Beratungen im Verein. Studien zeigen: Mehr als jeder zweite Deutsche kennt Konflikte im Wohnumfeld aus eigener Erfahrung – vor Gericht landet davon nur ein Bruchteil. Für Lock ist klar: Die Zahl der Streitfälle nimmt zu, auch weil gesetzliche Regelungen immer komplexer werden.
Mehr Bürokratie, mehr Aufwand
Kritik äußerte Lock an neuen Vorgaben bei der Energie- und Heizkostenabrechnung. Künftig sollen Verbrauchsdaten über fernablesbare Zähler monatlich erfasst und den Mietern detailliert bereitgestellt werden – inklusive Vergleichswerten aus dem Vorjahr und Durchschnittszahlen ähnlicher Haushalte. Der zusätzliche Aufwand sei erheblich und verursache Kosten, die letztlich auch die Mieter treffen. Wird so das Ziel höherer Energieeffizienz erreicht? „Ich sage: Nein“, erklärte Lock. Einzelne Vorteile – etwa, dass Wohnungen seltener betreten werden müssten – stünden in keinem Verhältnis zur Bürokratie.
Zweifel an der Mietpreisbremse
Auch die Mietpreisbremse, die seit 2025 in Worms und im Landkreis Alzey-Worms gilt, wurde kritisch beleuchtet. Lock stellte insbesondere die zugrunde liegenden Zahlen infrage – etwa zur Mietbelastung oder zum Leerstand. „Ich bin an diese Zahlen nicht so einfach herangekommen“, sagte er. Gerade im ländlichen Raum sei es schwierig, die ortsübliche Vergleichsmiete belastbar zu ermitteln. Der qualifizierte Mietspiegel stoße hier in der Praxis an Grenzen.
Ausbaubeiträge: Kritik und politische Erwartungen
Für Unmut sorgen weiterhin die wiederkehrenden Straßenausbaubeiträge, die in Worms seit 2023 erhoben werden. „Da werden Maßnahmen berechnet, von denen haben Sie noch nie etwas gehört“, sagte Lock – und traf damit auf breite Zustimmung im Saal. Anders als bei früheren Einmalbeiträgen (die Haus & Grund ebenfalls nicht gutheißt), bei denen Anlieger konkret sehen konnten, was vor ihrer Haustür passiert, werden die Kosten nun auf größere Abrechnungseinheiten verteilt. Eigentümer zahlen damit auch für Maßnahmen, die sie selbst kaum wahrnehmen. Hinzu kommt: In Worms wurden Beiträge teilweise rückwirkend erhoben – ein Punkt, der für Kritik und zahlreiche Widersprüche gesorgt hat.
Zugleich verwies Lock auf die Landespolitik: Die CDU Rheinland-Pfalz fordert seit Längerem die vollständige Abschaffung der Beiträge und argumentiert, Straßenbau sei eine öffentliche Aufgabe, die aus Steuermitteln finanziert werden müsse. Für Lock ist nun entscheidend, ob politischen Ankündigungen auch Taten folgen: „Unsere Aufgabe wird es sein, genau hinzuschauen, ob das, was die Politik ankündigt, auch wirklich umgesetzt wird.“ Dafür gab es viel Zustimmung und Applaus.
Balkonkraftwerke und Heizungsgesetz im Blick
Auch praktische Fragen aus dem Vermieteralltag wurden aufgegriffen. Beim Thema Balkonkraftwerke stellte Lock klar: Mieter haben grundsätzlich einen Anspruch auf Zustimmung – allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen wie fachgerechter Installation, Sicherheit und Rückbaubarkeit. Positiv bewertete er das neue Gebäudemodernisierungsgesetz, welches das bisherige Gebäudeenergiegesetz ablösen soll. Funktionierende Heizkessel mit guten Werten dürfen demnach länger betrieben werden. „Das ist eine richtig gute Sache“, sagte Lock. Förderprogramme könnten Investitionen zusätzlich erleichtern.
Vorstand entlastet, Austausch im Mittelpunkt
Neben den inhaltlichen Themen standen auch die Vereinsformalitäten auf der Tagesordnung. Der Vorstand wurde mit großer Mehrheit entlastet (bei einer Enthaltung), Kassenprüferin Elke Jizba erneut gewählt. In den Pausen und im Anschluss nutzten viele Mitglieder die Gelegenheit zum persönlichen Austausch – bei Brezeln, kleinen Snacks, einem Glas Wein und im direkten Gespräch mit dem Vorstand. Für eine Auflockerung sorgte die Verlosungsaktion „Mitglieder werben Mitglieder“: Geschäftsführerin Astrid Gamradt zog drei Gewinnernamen – darunter den Hauptgewinner, der seinen Preis direkt vor Ort entgegennehmen konnte.
Verlosungsaktion „Mitglieder werben Mitglieder“: Hauptgewinner Manfred Maier und Geschäftsführerin Astrid Gamradt.
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Praxisnahe Informationen bei Haus & Grund Worms-Alzey Schimmel vermeiden: „Es geht immer um die Feuchtigkeit“
Richtiges Lüften und Heizen entscheidendDiese entstehe im Alltag – etwa durch Duschen, Kochen oder Wäsche – und müsse konsequent abgeführt werden. Entscheidend sei richtiges Lüften: „Ich muss so lüften, dass ich die Feuchtigkeit, die ich produziere, auch wieder herausbekomme“, mahnte Grün. Empfohlen wird mehrmaliges Stoßlüften täglich, möglichst mit Durchzug. Dauerhaft gekippte Fenster seien dagegen kontraproduktiv. Ebenso wichtig sei ausreichendes Heizen. Gerade im Winter kann demnach selbst eine Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent kritisch werden, wenn Wände auskühlen. „Warme Luft trifft auf kalte Wand – dann entsteht Kondenswasser“, erklärte der Fachmann. Was im Alltag oft falsch läuftGrün zeigte typische Problemstellen – etwa Außenecken oder zugestellte Wände. Auch Möbel direkt an Außenwänden oder verbaute Heizkörper könnten die Luftzirkulation behindern und Schimmel begünstigen. Moderne, dichte Fenster verschärfen das Problem zusätzlich: Während ältere Fenster noch eine gewisse „Zwangslüftung“ ermöglichten, müsse heute bewusst und regelmäßig gelüftet werden. Unterstützend könnten Fenster mit integrierten Lüftungselementen – etwa Fensterfalzlüfter – oder automatische Lüfter helfen, einen Mindestluftaustausch sicherzustellen. Ein Thermo-Hygrometer könne zudem anzeigen, wann gelüftet werden sollte. Auch rechtlich ist das Thema relevant: Wer nicht ausreichend lüftet und heizt, ist im Schadensfall selbst verantwortlich. Vorsitzender Hans-Joachim Lock betonte: Schimmel gehört zu den häufigen Streitpunkten zwischen Mietern und Vermietern. Im Anschluss entwickelte sich eine lebhafte Fragerunde mit vielen Praxisbeispielen aus dem Alltag der Teilnehmer. |


Im Rahmen der Jahreshauptversammlung von Haus & Grund Worms-Alzey informierte Diplom-Ingenieur Rochus Grün (im Bild) zum Thema Schimmel in Wohnungen. Der Experte erklärte praxisnah Ursachen und Lösungen. Seine zentrale Botschaft: Schimmel entsteht meist nicht durch Baumängel, sondern durch Kondensation. „Am Ende dreht sich alles um die Feuchtigkeit“, sagte Grün.