Erst denken, dann dämmen - über den Sinn und Unsinn der Wärmedämmung

Immobilien-Profi Bernd Täffner gibt Immobilieneigentümern bei Informationsveranstaltung von Haus & Grund Worms Tipps zur Modernisierung. 

Immobilien-Profi Bernd Täffner gibt bei Informationsveranstaltung von Haus & Grund Worms Tipps

Wie viel Energie dürfen neu gebaute Häuser und sanierte Altbauten maximal verbrauchen? Genau das legt die strenger werdende Energie-Einsparverordnung (EnEV) fest. Für Hauseigentümer kann dies bedeuten: sie müssen stärker dämmen und nachrüsten. Aber wie viel Dämmen macht an welcher Stelle Sinn? Wo liegt das Sanierungs-Optimum? Und wann kostet die Sache nur Geld, bringt aber kaum etwas?

Über „Sinn und Unsinn der Wärmedämmung“ informierte bei Haus & Grund Worms/Alzey Referent Bernd Täffner, der auch IHK Sachverständiger und ehrenamtlicher Immobilien-Gutachter der Stadt Worms ist. Der Immobilien-Profi beeindruckte in der gut besuchten Geschäftsstelle in der Kaiser-Passage mit anschaulichen Praxisbeispielen, verblüffte aber auch mit ungewöhnlichen Thesen. Haus & Grund Vorsitzender Hans-Joachim Lock, der selbst Rechtsanwalt und Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht ist und im Verein die kostenlosen  Rechtsberatungen gibt, hob hervor, dass es vor allem darum gehe, Fehler bei der Dämmung zu erkennen und Bauschäden vorzubeugen, damit die gute Absicht nicht ad absurdum geführt werde. Eingeladen  waren auch Nicht-Mitglieder.

Bernd Täffner zitierte Studien, denen zu folge nur zehn Prozent aller Häuser wirklich fachgerecht gedämmt seien; die Übrigen könnten mit deutlich weniger Energie auskommen, wenn sie nachrüsteten. Dennoch stand er dem gesetzlichen Zwang zum Dämmen  kritisch gegenüber. Erst denken, dann dämmen, lässt sich sein Appell zusammenfassen. Ob sich die Sache wirklich rechne, sei längst nicht immer erwiesen. Bei Amortisierungs-Prognosen gebe es viele Unbekannte, beispielweise die Energiekosten-Entwicklung. Dem Energiesparen durch Dämmung seien auch Grenzen gesetzt. So liege der Wärmeverlust aufgrund einer ungedämmten Geschossdecke zwar zwischen 10 und 16 Prozent; allein durch Lüftung gehe aber viel mehr verloren, nämlich 40 bis 50 Prozent.

Die  meisten Bauschäden – viele davon gerade aufgrund falscher Dämmung – zeigten sich schon nach zwei Jahren.  Täffner nannte viele Beispiele aus der Praxis. Mal waren Dämmstoffe bei Schnee und Regen vor dem Einbau nicht abgedeckt und feucht eingebaut worden.  Mal hatten sich bei der Verarbeitung Risse in der Dampfsperre gebildet. Mal wirkte eine Stele an einem Tor wie die Kühlrippe eines Kühlschranks. Besonders problematisch sei die Dämmung, wenn ein Haus viele Ecken und Fenster habe. Nicht jedes Objekt sei  für die Außendämmung geeignet. Diese sei bei Fassaden grundsätzlich besser sei als die Innendämmung, führe aber zu einem einförmigen Stadtbild. Innendämmung dagegen funktioniere nur, wenn sie trocken sei; zudem gehe dadurch Wohnraum verloren. Der Experte empfahl ausdrücklich den Einbau eines luftdichten Treppenabschlusses auf den Speicher. Dieser koste relativ wenig, bringe aber viel, um Wärme im Haus zu halten.

Nicht einmal unter Umweltschutz-Aspekten konnte Täffner dem Dämm-Zwang rundherum seinen Segen geben: Denn die meisten Dämm-Materialien, die nun nach 20 bis 25 Jahren ausgetauscht werden müssten, seien Sondermüll. Und neue Baustoffe müssten oft erst mal mit großem CO2- und Energie-Aufwand hergestellt werden. Zudem bemängelte Täffner, dass strengere ökologische Maßstäbe an Wohngebäude gerichtet würden als an Autos, obwohl auf diese  18 Prozent der CO2-Belastung zurückzuführen sei, fünf Prozent mehr als auf Wohngebäude.

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