Infoabend von Haus & Grund Worms
Wie Eigentümer den Kosten-Spagat bei der Sanierung schaffen können
Die Preise für Rohstoffe steigen deutlich an – gleichzeitig werden die Zuschüsse für Modernisierungsmaßnahmen gekürzt. Warum sich eine energetische Sanierung für private Eigentümer langfristig trotzdem bezahlt macht, darüber referierte Diplom-Ingenieur Wolfgang Müller kürzlich auf der Info-Veranstaltung von Haus & Grund Worms.
Als Eigentümer ist man manchmal hin- und hergerissen: Einerseits ist von der Energiewende die Rede und davon, dass Strom, Öl und Gas deutlich teurer werden. Andererseits schmelzen die Zuschüsse für Modernisierungsmaßnahmen, was das Energiesparen und Umrüsten auf regenerative Energien schwieriger macht.
„Fukushima und die Folgen für uns – was jeder für sich tun kann“ war der Titel der jüngsten Info-Veranstaltung des Wormser Haus & Grund Ortsvereins, auf der Diplom-Ingenieur Wolfgang Müller vom Solar Info Zentrum (SIZ) Deidesheim Varianten vorstellte, wie der Spagat für Eigentümer trotzdem gelingen kann.
Solar auf lange Sicht günstiger als Strom
Dabei empfahl der Experte, den Blick nicht nur auf die Anschaffungskosten zu richten, sondern auch auf die langfristigen Betriebskosten. Als Beispiel nannte er die Stromheizung: Zwar glänze sie in der Anschaffung mit vergleichsweise niedrigen Kosten, bilde aber über die Jahre hinweg wegen des teuren Betriebs das Kosten-Schlusslicht. Langfristig schnitt dagegen die Solaranlage, etwa in Kombination mit einer Pelletsheizung, sehr viel besser ab.
Zwar wird der Zuschuss zum selbst produzierten Strom auf dem eigenen Dach weniger, laut Müller lohnt sich die Anschaffung aber trotzdem: „Es kostet nicht die Welt” – was sich etwa von Atomenergie nicht sagen lasse.
Der Vorsitzende des Ortsvereins, Hans-Joachim Lock, nahm unterdessen auch andere schrumpfende Modernisierungszuschüsse in den Blick. „Die Geschenke werden kleiner”, bedauerte er die jüngste Absage der Bundesregierung zur steuerlichen Förderung von energetischen Sanierungen. Auch im Landesverband werde dies, so Lock, als eine verpasste Chance angesehen. Und der Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht machte auch noch auf ein weiteres Problem aufmerksam: Ein Teil der Modernisierungskosten dürfe zwar auf die Mieter umgelegt werden. Wenn die Kosten dabei allerdings insgesamt zu hoch werden, helfe auch das nicht, da Mieter die Mehrkosten dann nicht mehr tragen können oder wollen.
Für eine gelungene Modernisierung empfahl Müller, das eigene Haus grundsätzlich „gut einzupacken”, damit möglichst wenig Energie ungenutzt durch Wände, Fenster und Türen verschwindet. Er zeigte aber auch auf, welch gute Gründe es außerdem gibt, den Ausbau regenerativer Energien voranzutreiben.
So rechnete er vor, wie viele tausende Menschen bereits an den Folgen von Atomkatastrophen starben, verbunden mit dem Hinweis, dass die Betreiber im Ernstfall zur Fehlervertuschung neigten. Schließlich zog er sogar eine Parallele von Tschernobyl über Fukushima bis hin zum nahen Biblis – dort sei 1987 ein schwerer Unfall nur knapp verhindert worden, nachdem drei Tage lang ein offenes Ventil übersehen wurde.
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„Fingerspitzengefühl ist nötig“: Der Vorsitzende von Haus & Grund Worms, Hans-Joachim Lock (r.), im Gespräch mit dem Experten Wolfgang Müller. |