Mitglieder zeigten großes Interesse an den Tücken von Beschlüssen in Eigentümergemeinschaften
JAHRESHAUPTVERSAMMLUNG 2018. Haus & Grund Worms-Alzey steuert zielsicher auf die neue Höchstmarke von 2.500 Mitgliedern zu. Nachdenklich stimmten die Warnungen des 2. Vorsitzenden Richard Kunze. Er zeigte die möglichen (finanziellen) Folgen der Fehler von WEG-Beiräten auf.
Tipps vom Fachmann: Der 2. Vorsitzende Richard Kunze erklärte, worauf es bei Entscheidungen in der WEG ankommt. Aus gutem Grund: Rund 80 Prozent der in der Praxis gefassten Beschlüsse sind nicht ordnungsgemäß. - Foto: Haus & Grund Worms-Alzey
Zwei Zahlen ließen die rund 80 Gäste bei der Jahresversammlung von Haus & Grund Worms-Alzey im Wormser besonders aufhorchen. Eine davon gab Grund zur Freude, die andere stimmte nachdenklich und sollte Anlass zum Handeln sein:
- 2.465 – so viele Mitglieder hat der Verein inzwischen (Stand April 2018). Diese erfreuliche Mitteilung konnte der Vorsitzende Hans-Joachim Lock machen. Damit hat sich die positive Entwicklung der vergangenen Jahre (mit rund 100 neuen Mitgliedern jährlich) fortgesetzt. Im August 2017 erst hatte Haus & Grund Worms-Alzey das 2400. Mitglied begrüßt. Der Verein wächst also kontinuierlich weiter.
- 80 – so viel Prozent der gefassten Beschlüsse von Wohnungseigentümer-Gemeinschaften entsprechen nicht den Grundsätzen ordnungsgemäßer Verwaltung. Diese zweite Zahl des Tages lieferte der 2. Vorsitzende Richard Kunze, der diesmal für den Infoteil der Veranstaltung sorgte. Er weiß, wovon er spricht. Schließlich ist er Geschäftsführer der gleichnamigen Unternehmensgruppe, die sich auf Beteiligungen und Verwaltung spezialisiert hat.
Hauptpreis für Bei der Jahreshauptversammlung fand auch die Verlosung zur Aktion „Mitglieder werben Mitglieder“ statt. Über den Hauptpreis – einen Restaurant-Gutschein im Wert von 200 Euro – konnte sich Claudia Hornbostel-Müller freuen. |
Der Fachmann gab nützliche Tipps, wie WEG-Beiräte bei wichtigen Beschlüssen gefährliche und teure Fallstricke vermeiden können. Das ist aus gutem Grund besonders wichtig: Denn obwohl Beiräte in Wohnungseigentumsgemeinschaften ehrenamtlich arbeiten, haften sie finanziell für Fehler – und zwar gesamtschuldnerisch nach dem Prinzip „einer für alle“.
Eine der wichtigsten Empfehlungen des 2. Vorsitzenden lautete daher, dass Beiräte von Wohnungseigentumsgemeinschaften tunlichst darauf achten sollten, ihre Entscheidungsbefugnisse nicht zu überschreiten. In komplizierten Dingen sollte das Gremium auf Kosten der Wohnungseigentümergemeinschaft den Rat von Fachleuten hinzuziehen dürfen.
Haftpflicht-Versicherung hilft in diesem Fall nicht
In der Realität kümmerten sich Beiräte oft um mehr als im Gesetz stehe oder als durch ordnungsgemäße Beschlüsse abgesichert sei. Dadurch steige die Gefahr, für Fehler gerade stehen zu müssen.
Auch eine übliche Haftpflicht-Versicherung helfe im Fall der Fälle nicht. „Die umfasst nur die gesetzlichen Pflichtaufgaben“, schränkte Kunze ein. Typische Aufgabe eines Beirats sei es, den Wirtschaftsplan und die Jahresrechnung zu prüfen.
Zusatztätigkeiten, wie etwa die Abnahme von Gewerken, sollten hingegen nur mit Erlaubnis der Wohnungseigentümergemeinschaft erfolgen und in den Beschlüssen detailliert geregelt sein.
Im Detail – oder wie der Fachmann es formulierte, „in der Bestimmtheit der Formulierung“ – liege bei Beirats-Beschlüssen häufig der Fehler. Für die Praxis gab Kunze den Mitgliedern Musterbeschlüsse an die Hand und beantwortete viele Fragen, die aus dem Publikum gestellt wurden.
Den Vorsitzenden Hans-Joachim Lock freute die gute Resonanz auf das zentrale Vortragsthema des Abends. Er hatte eingangs der Veranstaltung bereits darauf hingewiesen, dass die Wohnform der Eigentumswohnung in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen hat.
Wie ein Blick in die Statistik zeigt, lag der Anteil an Eigentumswohnungen 2017 in Deutschland insgesamt bei rund fünf Prozent. Die Steigerung des relativen Anteils dieser Wohnform betrug in den letzten vier Jahren sogar rund 15 Prozent.
Rechtsberatungen haben leicht zugenommen
Wie die Zahl der Mitglieder stieg im vergangenen Jahr auch deren Beratungsbedarf. Die beiden Fachanwälte von Haus & Grund Worms-Alzey – neben Hans-Joachim Lock auch Beate Kaminsky – gaben insgesamt 1.348 Rechtsberatungen. Das waren etwas mehr als im Vorjahr.